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Artikel - "Rosarot Heft" - August, 2004

Transformationsarbeit – göttliche Kunst

Artikel Rosarot Heft August 2004

Spirituelle Suche. Selbstfindung, Weltbilder, Bewusstseinserweiterung und was noch so  damit einhergeht. Dabei stellte sich mir immer wieder die Frage: Was suche ich eigentlich wirklich. Ist es ein neuer Lover, ein neuer Job, ein neue Inspiration, ein neues Gottesbild oder einfach nur ein neuer Blick auf das Leben. Ich suche auf dem spirituellen Markt. Das Angebot ist groß. Wenn ich merke, dass ich unter sexuellen Verklemmungen leide, kann ich einen Workshop aufsuchen, denke ich negativ besuche ich einen Kurs in neurolinguistischem Programmieren usw. Alles scheint machbar. Ich brauche mich nur auf das breite Angebot zu stürzen, das richtige Angebot zu finden und schon kann ich die sein, die ich sein will: Positiv denkend, sexuell befreit, den spirituellen Fluss des Geldes verstanden, von so genannten negativen Gefühlen geläutert und zudem von der gesamten Existenz geliebt alle anderen Wesen liebend.

Entspreche ich dann endlich auch nur annähernd meinen Vorstellungen von einem spirituell vorangeschrittenen Menschen so schöpfe ich Hoffnung. Ich selbst werde zum Demiurgen meines Egos. Doch bemerke ich dies nicht. Ich erkenne noch nicht den Unterschied zwischen meinem Ego und meiner göttlichen Natur. Der Tag der Erleuchtung wird kommen, glaube ich fest. Ich empfinde mich als spirituellen Menschen, fühle mich gut dabei. Identifiziere mich mit meinem spirituellen Superego. Dabei bemerke ich jedoch nicht, dass ich mich immer noch auf der dualistischen Persönlichkeitsebene befinde. Alles was sich verändert hat, ist, dass ich meine Verhaltensweisen denen eines spirituellen Menschen anpasste – wie auch immer ich einen solchen verstehe.

Ich bemühe mich. Erleuchtung heißt das große Ziel, das in der Ferne winkt. Und da es jeden Tag kommen kann, wird jeder Tag etwas besonderes – ausgerichtet auf das in der Zukunft liegende Ereignis. Manchmal erfahre ich Momente von Bliss – wie man einen Zustand von Ekstase im Fachjargon nennt – und bleibe zuversichtlich, dass der Moment kommen wird. Satoris folgen, meine Kundalini fließt. Ich bemühe mich und tue alles. Und: Er kommt. Tiefe Einblicke in den Urgrund der Existenz tun sich auf.
Ich erfahre den ganzen Kosmos als einen sich ständig wandelnden und fließenden Energiestrom, der der göttlichen Quelle entspringt. Als Mensch bin ich Teil dieses kraftvollen ungeheuer kreativen Stroms. In Verbindung mit der Quelle bin ich als  Mensch ganz einfach von schöpferischen Kräften und Bewusstsein erfüllt.  Doch trennte ich mein menschliches Dasein in eine Welt von zwei Etagen: die der wahren Natur und die der konditionierten Persönlichkeit. Irgendwann war ich dermaßen involviert in einem Persönlichkeitsspiel, meiner Egonatur,  dass ich meine wahre, essentielle Natur vergaß. Und dies Leben über Leben.
Wie kommt es zu diesem Wahnsinn? Wie konnte ich als Mensch das Bewusstsein um die mir innewohnende göttliche Natur vergessen, meine Perspektive so sehr verengen und so beengt leben?
Im Zuge der Erziehung wurde bei mir und – wie ich bemerke - den meisten anderen Menschen das wirkliche Wesen nicht gesehen. Die Regeln einer Gesellschaft - die beispielsweise im Wesentlichen auf gut funktionierende Wirtschaft oder politischen Einfluss ausgerichtet ist - wurden uns von klein an aufoktroyiert. In der Schule lernten wir lesen, rechnen, schreiben. Der natürliche Ausdruck unseres Selbstes wurde jedoch in der Regel  nicht berücksichtigt.  Viele passen sich zwangsläufig an und wissen schließlich gar nicht mehr, was eigentlich ihrer natürlichen Ausdrucksform entspricht.
Zuweilen dringen Impulse, die von unserer wirklichen Natur ausgehen, ins Bewusstsein, werden jedoch häufig wieder schnell ad acta gelegt. So „funktioniert“ ein Mensch zwar, zuweilen bis ins Rentenalter – das Seelenbewusstsein muss jedoch zurückgedrängt werden. Oft ist es dann so, dass Körper und Geist Signale setzen. Doch selbst diese werden aufgrund der stark wirkenden Prägungen oft übergangen oder falsch interpretiert. Dann hat der Opa einen Herzinfarkt bekommen, weil er sich zu sehr aufgeregt hat, die Tante hat ihren Hautausschlag weil sie zuviel Zucker gegessen hat usw. All das können mit Sicherheit ernstzunehmende Faktoren sein, die zu solchen Körpersignalen führten. Doch sind es nur Faktoren, die wieder auf dem Boden anderer Ursachen basieren. Wesentlich bleibt, dass der Mensch ein Dasein geführt hat, in dem er täglich und sekündlich völlig unbewusst nach Persönlichkeitsplan XYZ lebte, der meist wenig mit seiner wahren Natur zu tun hat.
Mir jedenfalls kommt es so vor, als ob das jahrzehntelange Bemühen sich gelohnt hat. Doch erkenne ich gleichzeitig: das Leben geht weiter, die Herausforderungen ebenfalls.  Ich verdaue immer noch wie je zuvor,  meine Fingernägel wollen ab und an geschnitten werden und außerdem schwitze ich bei starker Hitze und verlange nach Wasser, wenn ich Durst verspüre. Ich merke jedoch, dass es zunehmend einfacher wird, mich meiner wahren Natur zu erinnern. Das Ego erkenne ich als bleibendes Potential.

Die Frage, die sich mir immer wieder stellte war: Welchem grandiosen Irrtum bin ich eigentlich aufgesessen?

Nach einigen Begegnungen mit meinem spirituellen Lehrer wurde mir klar, dass der größte Irrtum der ist, dass irgendetwas außerhalb dieses Moments zu finden sei. Dass man sich selbst anhand irgendeines höheren Ideals zu schöpfen habe. Vielmehr ist das Göttliche in jedem Moment an jedem Ort und vor allem in uns selbst zu finden. Ob ich mich nun in einer U-Bahnstation in Berlin-Mitte oder auf dem Himalaya befinde spielt keine wesentliche Rolle. Meine Lungen freuen sich zwar über die frische Bergluft, doch meiner Erleuchtung ist es egal, wo ich sie erlange. Möglich ist sie hier wie dort und zwar jetzt. Mir wird auch klar, dass es nicht darum geht mich umzuformen, einen Zustand, den ich aus irgendwelchen Gründen als den idealen erachte, zu erreichen. Nein. Es bedarf auch keines besonderen körperlichen oder geistigen Zustands. Jeder Mensch – gleich ob er körperlich oder geistig einer gesellschaftlichen Norm von gesund entspricht oder nicht – trägt die Erleuchtung bereits in sich. Alles was er zu tun hat, ist sich daran zu erinnern.
Dabei gibt es nichts hinzuzufügen, eher noch etwas wegzunehmen um sich dieses Zustands zu erinnern.

Schließlich erkennen wir mehr und mehr, wie wir uns von unserer göttlichen Natur abschneiden. In diesem Erkennen liegt bereits die Lösung Wir nehmen wahr, dass Schöpferkraft durch uns fließt, und wir dieser Kraft wieder ihren freien Lauf lassen dürfen. Dabei bilden der Erkennende und das Erkannte  eine untrennbare Einheit.  Dieses unmittelbare Erinnern entspringt aus der göttlichen Quelle selbst. Dieser Kraft den Weg zu ebnen und so dem reinen Bewusstsein zu ermöglichen, sich in aufsteigender Folge mit verschiedenen Seinsebenen zu identifizieren und sich wieder zu lösen, das ist die Kunst der Transformation. Transformationsarbeit  wie ich sie in meinen Gruppen erlebe ist eine wahrhaft göttliche Kunst, da sie dem bewusst erlebbaren freien Fluss der schöpferischen göttlichen Urkraft Ausdruck verleiht. Das Leben selbst formt dabei den Menschen und erinnert ihn seines wahren Wesens. Es ist ein großes Geschenk, Transformation auf diesem Wege vermitteln zu dürfen und die Entfaltung der wahren Natur bei mir selbst und anderen erleben zu können.