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Artikel - "Sein" - August, 2003

Imaginäre Karotten
Sinn oder sinngebende Illusion
(Artikel von Amadea erschienen im Sein Heft August 2003

www.sein-berlin.de

Der Mensch ist ein fühlendes Wesen, das über die Sinne mit anderen kommuniziert. Ein Kind, das lernt, welche Gefühle und Arten des Gefühlsausdrucks von der Gesellschaft akzeptiert werden, lernt dadurch, welche Gefühle es zeigen darf und welche nicht. In einer Kultur, die Gefühle nicht würdigt, die eher funktional ausgerichtet ist, können diese weder frei gelebt, noch können Ausdrucksmöglichkeiten erforscht werden und somit auch nicht reifen.
Die Sinne ermöglichen Erleben, Empfinden und kognitiven Ausdruck. Ein Mensch, der gelernt hat, seine Gefühle zu verachten, hat gelernt einen Teil seiner sinnlichen Wahrnehmung - ohne die das Erleben und der Ausdruck gar nicht möglich wäre - vom Bewusstsein abzuspalten. Die Welt besteht dann aus Teilen. Teile, die sein dürfen und aus dieser Sicht Sinn machen und welche, die nicht zu sein haben. Eine solche Welt besteht aus Vorstellungen, ist daher nicht wirklich sondern imaginär.

Die Geburt des Ego
In dem Moment der Trennung entsteht etwas im Menschen, das mit der wahren Natur nicht viel zu tun hat und das wir Ego nennen. Es ist eine Konstruktion, die aus Wert- und Idealvorstellungen usw. entstanden ist. Die tiefe Sinnahftigkeit, die im Leben selbst zu finden ist, kann in einer imaginären Welt jedoch nicht begriffen werden. Deshalb versucht das Ego, Sinn und Glück in Werten zu finden, die im erlaubten Erlebnisbereich liegen. Mit der Unterdrückung der wahren Bedürfnisse werden zwangsläufig unbewusst Ersatzbedürfnisse konstruiert. Sich der wahren Natur nicht bewusst, wehrt sich das Ego unbewusst gegen die natürlichen Impulse.
So kann der Mensch natürlich keine tiefe Zufriedenheit, kein tiefes Glück  empfinden Vielmehr sucht er jetzt Glück und Zufriedenheit in unterschiedlichen Formen der Ersatzbefriedigung. Statt seinem natürlichen Sinn gehorcht der Mensch jetzt sinngebenden Illusionen. Eine Gesellschaft, die funktional orientiert ist, unterstützt dieses lebensfeindliche Spiel. Krieg, Vernichtung, Ausbeutung der Erde sind letztlich nur Ausdruck der gefesselten Energie einzelner Menschen. Beispielsweise erfährt ein Mensch, der gelernt hat, dass Aggressionen schlecht sind, in einem politischen Krieg eine Legitimation solcher Gefühle.
Illusionen erkennen
Hat der Mensch das Bedürfnis nach Liebe und stopft sich beispielsweise mit Essen voll oder richtet sein Leben nach Status oder sonstigem aus, so wird er niemals wirklich befriedigt sein. Wirklicher Kontakt mit sich selbst und anderen ist auf diesem Wege nicht möglich. Um sich dieses Gefühls der inneren Öde nciht gewahr zu werden, verbringt er viel Zeit damit Ersatzbedürfnisse zu befriedigen. Im Grunde jedoch jagt er einer imaginären Karotte nach. Ob das Erleuchtung, Geld, Sex oder was auch immer ist, spielt dabei im Grunde keine Rolle. Das heißt nciht, dass Geld, Sex oder Erleuchtung nciht in ORdnung wären. Es ist die Jagd des Egos, das in solchen Karotten dem Glück hinterherrent, die ver-rückt ist. Das Ego kann nie und nimmer dauerhaft zufrieden sein. Und das ist wunderbar. Denn diese Unzufriedenheit oder wie auch immer  dieses Gefühl wahrgenommen wird, ist wie ein Motor, mit der Riesenchance, den Weg zurück zu finden.

Wege zum Selbst
Im Grunde gibt es so viele unterschiedliche Wege wie es Menschen auf diesem Planeten gibt. Und doch treffen sich diese Wege trotz individueller Ausprägung. Die Rückbindung an nicht erlaubte Gefühle ist für keinen Menschen umgänglich. Nur so kann Kontakt mit sich und wahren Bedürfnissen gefühlt werden. Der Weg zurück erfordert Mut und die Bereitschaft, diese bisher unerlaubten Gefühle bewusst zuzulassen. Im Rahmen integrativer und transformativer Energiearbeit werden “Bewusstseinswellen” wahrgenommen, die mitunter verschüttete Gefühle an die Oberfläche spülen. Diese wollen angenommen und akzeptiert werden, damit ihr Ausdruck im Erleben reifen kann. Die Arbeit in einem spirituellen Feld mit Menschen, die einen Weg zurück in die sinnvolle Einheit ihrer wahren Natur suchen, unterstützt mit dem zu sein, was sich zeigt und damit achtsam umzugehen